Mingled Living Forces

„Mingled Living Forces“ ist eine zeitgenössische Kunstintervention in der Werkstattausstellung Leerstellen.Ausstellen im Humboldt Forum, die neue Arbeiten von Studierenden der weißensee kunsthochschule berlin präsentiert. Die Interventionsausstellung entstand im Rahmen der Tandemseminare Colonial Presents: Artistic and Curatorial Interrogating unter der Leitung von Juana Awad und Zeichnen Farbe Fläche - Spatial Drawing unter der Leitung von Elaine Bonavia an der weißensee school of art and design berlin im Wintersemester 22/23 und Sommersemester 23.

Wie kann man künstlerisch über die Spuren kolonialer Gewalt nachdenken? Wie kann man in einem ethnologischen Museum intervenieren, während die Rückgabe geraubter materiellen Kultur stattfindet? Wie kann man spekulative Zukünfte entwerfen? In Auseinandersetzung mit diesen Fragen finden neue Kunstwerke in einer Vielzahl von Medien und Formaten wie Performance, Installation, Druck, Skulptur, Malerei, Video und VR ihren Weg ins ethnologische Museum.

„Mingled Living Forces“ bezieht sich auch auf unser Zusammentreffen in diesen letzten Monaten: ein Zusammentreffen verschiedener Personen, Ausgangspunkte, Texte, Prozesse, Praktiken und Methoden. Der Titel der Intervention, ist ein Zitat aus Suzanne Césaires „Discontent of a Civilization“1 , in dem sie dazu aufruft, eine neue Zukunft zu schaffen. Als Hommage an ihre Worte folgt diese Intervention ihrem Text, der sowohl eine analytische Studie einer Gegenwart/Vergangenheit als auch eine poetische Behauptung für die Möglichkeit von etwas Neuem ist.

Die Intervention hat mehrere konzeptionelle Ansatzpunkte: Sie untersucht die Daseinsberechtigung des Museums, indem sie sich künstlerisch damit auseinandersetzt, was es bedeutet, innerhalb eines Rahmens von Herrschaft zu sammeln und auszustellen; sie nähert sich der Aufrechterhaltung kolonialer Verletzungen durch das Museum in materiellen und klanglichen Interventionen. Durch räumliches Zeichnen beschäftigt sie sich mit künstlerischen Spekulationen als Mittel, ein zukünftiges Museum zu bewohnen, sobald Wesen und materielle Kultur zurückgegeben werden.

„Mingled Living Forces“ präsentiert diese künstlerischen Arbeiten in einem bereits bewohnten Raum und tritt in einen Dialog mit den Materialien und Dokumenten, die in Leerstellen.Ausstellen ausgestellt sind – einer temporären Ausstellung innerhalb des ethnologischen Museums, deren Anliegen und Herangehensweise an die Kolonialgeschichte unserer Meinung nach dauerhaft gemacht werden sollte. Die Überlagerung von „Mingled Living Forces“ und Leerstellen.Ausstellen, mit ihren Begegnungs- und Kollisionspunkten, ist letztlich ein Experiment des räumlichen Dialogs zwischen Objekten, Körpern und Ausstellungspraktiken.

Mit Werken von Imad Alfil, Bar Esh, Paulin Fichtner & Conrad Kunze, Quang Vinh Giang, Mohamad Halbouni & Aline Suter, Melis Kiran, Hami Mehr, Jasmin Sermonet, Inyeong Song, Raras Umaratih, Jelisa Weber

Imad Alfil „Wunde“

Imad Alfil „Wunde“, Holzkohle, Papier, Schaum. © Mohamad Halbouni

Wirbelnd und wieder wirbelnd um, in, in die nässende Wunde: die, die uns direkt anschaut, wo alles eingefroren ist, eine unauslöschliche Wunde in dem, was vom Bewusstsein der Menschheit übriggeblieben ist. Wirbelnd und noch einmal wirbelnd um, in, in.
Imad Alfil wurde 1990 in Syrien geboren und lebt seit 2015 in Deutschland. Derzeit studiert er Malerei im Fachbereich Bildende Kunst an der weißensee kunsthochschule. In seiner Arbeit erforscht er Emotionalität und Intuition als Zugang zur menschlichen Psyche.

Bar Esh „Untangled“ & „Sterilised Black“

Bar Esh „Untangled“, One-channel-Video, 2D- und 3D-Drucke. © Bar Esh

Die Arbeit „Untangled“ ist ein digitales Zeichenexperiment, bei dem die Körperbewegung als Suchwerkzeug eingesetzt wird, um das Handwerk neu zu erlernen und über das Körpergedächtnis in den ausgestellten „Objekten“ im Museum nachzudenken. Die sich wiederholende Bewegung der zeichnende Person verwebt ihren Körper mit der Zeichnung selbst, bis menschliches Fleisch, Stein und Textil untrennbar werden. Die Bewegung des Körpers zeichnet eine Linie in den digitalen Raum und entfremdet sie von ihrer ursprünglichen Umgebung; die entstandene Linie ist nicht mehr nur eine Vertreterin der Bewegung, sondern eine eigenständige Zeichnung. Der Dialog zwischen den digitalen und den analogen Techniken spekuliert über Fragen der Erinnerung, der Bewegung und der Stille. 

Auf dem Bild ist ein hängendes Textilobjekt in einem Ausstellungsraum zu sehen. Es hängt an einer fahrbaren metallischen Konstruktion im Raum. Menschen sind nicht zu sehen.
Bar Esh „Sterilised Black“, Beton, Textil. © Bar Esh
Das Bild zeigt ein Detail von der textile Arbeit. Es sind organische Formen in den Farben rot, weiß, grau und schwarz. Es gibt auch kleine Anteile von gelb und pink.
Bar Esh „Sterilised Black“, Beton, Textil. © Bar Esh
Bar Esh „Sterilised Black“, Beton, Textil. © Bar Esh

Die Textilarbeit „Sterilised Black“ verwendet Textilien und Beton, um die Beziehung zwischen ausgestellten „Objekten“, dem Museum und seinen Besucherinnen zu erforschen und gleichzeitig Fragen zum Ausstellen und den üblichen Restaurierungspraktiken aufzuwerfen. Die handgewebten Stoffe, die aus der von den Kursteilnehmerinnen während der Studiensitzungen getragenen Kleidung hergestellt wurden, fungieren als ein Archiv der Aktivitäten. Durch das Gewicht des Betons wird das Textil seinem ursprünglichen materiellen Verhalten entfremdet: Es kann seinen ursprünglichen Zweck nicht mehr erfüllen, sondern wird zu einem Objekt, das nur noch in einer Ausstellung existieren kann. 
Bar Esh untersucht durch die Verwendung von Textilien, Texten und Beton Vorstellungen von öffentlichem Gedächtnis und Erinnerungskultur und hinterfragt dabei vorherrschende Konzepte von Ästhetik. Sie studiert Textil- und Flächendesign an der weißensee kunsthochschule berlin und arbeitet als politische Bildnerin an Berliner Schulen.

Paulin Fichtner & Conrad Kunze „Geister der Ermordeten“

Paulin Fichtner & Conrad Kunze „Geister der Ermordeten“, Folie, Klang. © Andreas Rost

„Oben am Fenster fährt [Karl] Liebknecht fort. Nie wieder werde ein Hohenzoller diesen Platz betreten.. [...] Frieden und Freiheit sind die zentrale Botschaft seiner Rede, die Herrschaft von Kapitalismus und Imperialismus sei gebrochen“.2
Bereits „Ende Februar 1907 geißelte der Sozialist Karl Liebknecht die Verbrechen des deutschen Kaiserreichs im damaligen Deutsch-Südwestafrika und anderen Kolonien als eine Kolonialpolitik, »die unter der Vorspiegelung, Christentum und Zivilisation zu verbreiten oder die nationale Ehre zu wahren, zum Profit der kapitalistischen Kolonialinteressen mit frommem Augenaufschlag wuchert und betrügt, Wehrlose mordet und notzüchtigt, den Besitz Wehrloser sengt und brennt, Hab und Gut Wehrloser raubt und plündert [...].«“3
Wir erinnern an diese Zeit, als das Jahrhundert noch jung und die Hoffnung auf die Befreiung aus der Herrschaft des ausbeuterischen Kapitalismus lebendig war. Die Überwindung seiner Voraussetzungen – Kolonialismus, Rassismus, Sexismus, Imperialismus und Klassismus – schien wirklich erreichbar zu sein.
Paulin Fichtner setzt sich mit künstlerischen Mitteln mit gesellschaftlichen und politischen Fragen auseinander und beobachtet das Unausgesprochene, wobei sich die Wahl des künstlerischen Mediums dem Thema und der Lebenssituation anpasst. In den letzten Jahren hat sich Fichtner während ihres Studiums der Bildenden Kunst an der weißensee kunsthochschule berlin vor allem mit Zeichnung beschäftigt.
Conrad Kunze ist Historiker und Soziologe. In seinem Buch „Deutschland als Autobahn“ erforscht er die Höhen und Tiefen des 20. Jahrhunderts. Er ist Dozent am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin und lehrt u.a. Imperialismustheorie. Er ist aktives Mitglied der VVN-BdA (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschisten und Antifaschistinnen Berlin e. V.).

Quang Vinh Giang „Our Soil, Your Soil“ & „Dear Humboldt Forum…“

Das Bild zeigt zwei knieende Menschen auf einen öffentlichen Platz. Eine Person hält ein Teil des Kunstobjektes in der Hand. Neben ihnen ist ein blauer Eimer.
Quang Vinh Giang „Our Soil, Your Soil“, Ambigramm-Erde-Installation im Innenhof des Humboldt-Forums und Dokumentation. © Vinh Quang Giang
Das Bild zeigt eine Aufnahme aus ca. 20 meter Höhe auf den Fussboden eines öffentlichen Platzes. Auf dem gepflasterten Platz ist ein schwarzes Muster zu sehen. Um den Muster stehen vereinzelt Besucher:innen.
Quang Vinh Giang „Our Soil, Your Soil“, Ambigramm-Erde-Installation im Innenhof des Humboldt-Forums und Dokumentation. © Vinh Quang Giang
Das Bild zeigt ein Detail der Schrift, welche mit schwarz auf den gepflasterten öffentlichen Platz aufgetragen wurde.
Quang Vinh Giang „Our Soil, Your Soil“, Ambigramm-Erde-Installation im Innenhof des Humboldt-Forums und Dokumentation. © Vinh Quang Giang
Quang Vinh Giang „Our Soil, Your Soil“, Ambigramm-Erde-Installation im Innenhof des Humboldt-Forums und Dokumentation. © Vinh Quang Giang

In „Our Soil, Your Soil“ werden vier Ambigramme aus den Wörtern „Thingification“, „Ownership“, „Shareholding“ und „Possession“ zu einem Mosaikmuster auf dem Innenhof des Humboldt-Forums ausgelegt.  Diese Begriffe tauchen an verschiedenen Stellen in Aimeé Césaires „Diskurs über den Kolonialismus“ auf und sind Dreh- und Angelpunkte für den Bauprozess des Museums selbst.  Das Muster besteht aus Erde, die von denjenigen, die sie betreten, unweigerlich weggetragen wird, und unterstreicht so die Verwüstung, die selbst von unfreiwilligen Teilnehmer*innen in Gang gesetzt wird.
Performance Installation, 11.03., 9.–11.6. Schlütterhof.

Das Bild ist ein Ausschnitt aus dem Video. Es zeigt eine ältere Frau mit Kopftuch angeschnitten im Profil vor einer Tür. Die Bildunterschrift lautet
Quang Vinh Giang „Dear Humboldt Forum…“, Einkanal-Video, 2D- und 3D-Drucke. © Vinh Quang Giang
Das Bild ist ein Ausschnitt aus dem Video. Es zeigt eine geschwugende grafische Struktur in den Farben schwarz, grau und orange. In den Untertiteln steht
Quang Vinh Giang „Dear Humboldt Forum…“, Einkanal-Video, 2D- und 3D-Drucke. © Vinh Quang Giang
Quang Vinh Giang „Dear Humboldt Forum…“, Einkanal-Video, 2D- und 3D-Drucke. © Vinh Quang Giang

In „Dear Humboldt Forum...“ erzählt eine Stimme einen Brief an das Humboldt Forum, in dem ein Künstler einen Sinn dafür findet, was passiert, wenn man sich mit dem Raum eines Museums verbindet, der das Produkt der Kolonialgeschichte ist. Mit Hilfe von Zeichnungen nähert sich der Künstler dem „Ding“ und reflektiert über dessen Kulturgeschichte und Bedeutung für seine Nutzer*innen. Überlagerte Gedanken, Eindrücke und Empfindungen, die durch den Prozess der Kurse, aus denen das Werk hervorgeht, nur schwer auszudrücken waren, werden in dem audiovisuellen Brief verarbeitet. Im zweiten Teil stellt das Video ein Szenario vor, in dem die Objekte des ethnologischen Museums an ihren Ursprung zurückkehren und in einer Ausstellung mit 3D-Technologie gezeigt werden. Wenn Objekte eine Seele hätten, wie könnte die Technologie der 3D-Hologramme sie visualisieren? Wie können Künstler*innen 3D als Medium nutzen, um die spirituelle Seite von Objekten zu stärken?
Quang Vinh Giang arbeitet hauptsächlich mit dem Medium der Skulptur. Derzeit experimentiert er mit Mehrdeutigkeiten und Begriffen der Bedeutungserstellung und erforscht die digitale 3D-Technologie und die Hybridisierung von analogen und digitalen Medien, um neue formale Möglichkeiten zu finden. Giang arbeitet auch mit Kindern und leitet Workshops zur künstlerischen Gestaltung.

Mohamad Halbouni & Aline Suter „Bittersweet“ & „Honest Floor Plan“

Ähnlich wie die strukturelle Macht, die in die Moderne eingebettet ist, beginnt die Installation „Bittersweet“ ihre Lebensspanne unsichtbar und wird durch die Interaktion der Besucher*innen mit ihr sichtbarer. Sie funktioniert wie eine Falle, ähnlich wie der Fortschritt im kolonialen Kontext. Die Besucher*innen werden von dem klebrigen Zucker ergriffen, der selbst eine belastete Geschichte des Kolonialismus enthält. Der Zucker bewegt sich dann mit den Besucher*innen und macht ihnen ihre Schritte bewusst, da diese schwerer und hörbar werden. Der Zucker sammelt auch alles ein, was von den Schuhen der Besucher getragen wurde, und durch diesen Prozess des Einsammelns offenbart er sich im Raum.
Diese nicht realisierte Arbeit ahmt die kolonialen Praktiken nach, die hinter den Sammlungen im Museum stehen. Es zeigt die Fragilität des Museums und die Notwendigkeit einer totalen Kontrolle innerhalb seiner Infrastruktur, die, wenn sie realisiert würde, das Museum mit vielen unerwünschten „Sicherheitsproblemen“ konfrontieren würde, was der Grund dafür ist, dass die Installation der Arbeit nicht erlaubt wurde.
Wir denken, dass die Aufführung von Kolonialität nach wie vor ein Monopol weißer westlicher Institutionen und ihrer Vertreter*innen ist, ein Privileg, das für andere unzugänglich ist.

Mohamad Halbouni & Aline Suter „Honest Floor Plan“, Digitaldruck auf Papier. © Andreas Rost

Der Grundriss „Honest Floor Plan“ bietet eine alternative Möglichkeit, das Museum abzubilden. Anstatt sich auf die Architektur des Raumes zu konzentrieren, versuchen wir, Diskussionen rund um die Objekte zu kartieren. Wir greifen den Raum mit unseren subjektiven Zeichnungen auf. Wir nutzen unseren Körper als Orientierungshilfe, beobachten und notieren die Kommentare der Besucher und mischen sie mit Notizen und Zitaten, die wir in den Kursen gesammelt haben, um den vermeintlich neutralen Plan zu hinterfragen. Das Ergebnis ist ein neuer Grundriss, der einen Raum vorstellt, in dem die dekoloniale Literatur, die Beobachtungen und Kommentare der Besucher*innen sowie unsere eigenen Gefühle und Beobachtungen eine Diskussion auslösen, die auf dem offiziellen Museumsplan fehlt.
Mohamad Halbouni ist ein bildender Künstler, der in den Bereichen Performance, Fotografie, Installation, Videospiele und Kurzcomics arbeitet. Er studierte Bildende Kunst an der Fakultät für Bildende Kunst der Universität Damaskus und studiert derzeit an der weißensee kunsthochschule berlin. Halbounis Arbeit konzentriert sich auf Konflikte, Widersprüche und kulturelle Identitäten, wobei er mit Stereotypen des Nahen Ostens spielt und diese demontiert.
Aline Suter studiert Kostüm- und Bühnenbild an der weißensee kunsthochschule berlin. In ihrer Arbeit beschäftigt sie sich vor allem mit Fragen der Gerechtigkeit in ihren sozialen, politischen und ökologischen Formen. Durch das Experimentieren mit Theaterkollektiven und nicht-hierarchischen Arbeitsmethoden sucht sie nach Wegen, westliche Traditionen, Narrative und Machtstrukturen zu erschüttern, die den meisten der heutigen globalen Ungerechtigkeiten zugrunde liegen.

Melis Kiran „Could we return this memory?“

Melis Kiran „Could we return this memory?“, Gewebtes Polyurethan, Steine. © Mohamad Halbouni

Textilgewebe verwoben mit gesammelten Erinnerungen aus dem Alltag.
Melis Kiran studiert Textil- und Flächendesign an der weißensee kunsthochschule berlin.

Hami Mehr „Plosives“

Hami Mehr „Plosives“, Klang Installation, 13min loop. © Mohamad Halbouni

wave of the bits
the gloom
ly away
the Mono
moves into the space
''take me out
into the field
above the skin
give me a shape
give me a life
call me the beat
between blinks
give me a voice
give me a name
find me in the trace.
You lost somewhere
On the surface
above the skin.
I am the movement
I am the air
I am hidden in your breath''
Hami Mehr ist eine in Berlin lebende antidisziplinäre Künstlerin aus Teheran. Ihr Fokus liegt auf Körperpolitik und der Entkolonialisierung der Erzählung von Körper, Geist und Kultur.

Jasmin Sermonet „Untitled“

Jasmin Sermonet „Untitled“, One channel-Video, 2D- und 3D-Drucke. © Jasmin Sermonet

Räumliches Zeichnen als Annäherung an die ausgestellten Artefakte im Humboldt Forum.
Jasmin Sermonet absolviert ihren Master in Textil- und Flächendesign an der weißensee kunsthochschule berlin. Ihr Schwerpunkt liegt auf lebenden Textilien und Effektgarnen.

Inyeong Song „Another Self“

Das Bild ist ein Ausschnitt aus dem Video. Es ist eine Collage, die eine zu bewegende Person, ein Raster und eine grafische Struktur zeigt. Die Untertitel heißen
Inyeong Song „Another Self“, One channel-Video, 2D- und 3D-Drucke. © Inyeong Song
Das Bild zeigt ein Videoausschnitt. Es sind drei digital erstellte Objekte in den Farben grün, blau, braun, gelb und weiß zu sehen. Ihre Formen sind organisch. In den Untertiteln ist zu lesen
Inyeong Song „Another Self“, One channel-Video, 2D- und 3D-Drucke. © Inyeong Song
Inyeong Song „Another Self“, One channel-Video, 2D- und 3D-Drucke. © Inyeong Song

Ein Auge ist der Ausgangspunkt für die Begegnung zwischen der Künstlerin und einer der im Humboldt Forum ausgestellten Sioux-Puppen. In dieser Begegnung stellt sich Song vor, wie es mit und durch die Puppe möglich wäre, mit den Ahnen zu teilen. In einer Öffnung durch empathische Rezeption kommt die Familiengeschichte der Künstlerin mit ihrem kolonialen Erbe ans Licht, ermöglicht durch die räumlich-zeichnerische Untersuchung der Perlen, die das Auge konstruieren.
Inyeong Song ist Material- und Oberflächendesignerin und arbeitet mit analogen und digitalen Technologien zusammen. Ihre Arbeiten sind mit einer Vielzahl von traditionellen Handwerken und grafischen Arbeiten verbunden.

Raras Umaratih „A Question of Urgency“

Raras Umaratih „A Question of Urgency“, Leinwand, Seil, Tinte. © Andreas Rost

Welchen Sinn hat es, hier etwas zu machen und auszustellen, wenn die meisten meiner Freund*innen und meiner Familie, mit denen ich aufgewachsen bin, heute nicht einmal hier sein können?
Welchen Sinn hat es, diese Wesen hier zu töten und zu verstecken - Wesen, die eine soziale und spirituelle Hungersnot erleben -, wenn die meisten der Menschen, zu denen diese Geschichten gehören, heute nicht einmal hier sein können?
Tapi aku memilih untuk hidup di luar sana, di antara, di seluk beluk dan serpihan.
Raras Umaratih: "In meiner künstlerischen Praxis gibt es Dinge, die ich nur allein und nur mit anderen machen kann. Zeiten, in denen die durch die Ästhetik geschaffene Distanz ein willkommener Moment zum Nachdenken ist, und Zeiten, in denen diese Distanz keinen Sinn macht."

Jelisa Weber „Unraveling Hair“

Das Bild ist ein Videoausschnitt auf dem schwarze Linien, gelblicher Hintergrund und Schrift zu sehen sind. Die Schrift beschreibt das Objekt in Englisch.
Jelisa Weber „Unraveling Hair“, Einkanal-Video, 2D- und 3D-Drucke. © Jelisa Weber
Das Bild ist ein Videoausschnitt. Zu sehen sind Buchstaben, die auf einer grafischen Struktur positioniert sind.
Jelisa Weber „Unraveling Hair“, Einkanal-Video, 2D- und 3D-Drucke. © Jelisa Weber
Jelisa Weber „Unraveling Hair“, Einkanal-Video, 2D- und 3D-Drucke. © Jelisa Weber

Die Animation versucht, das Wenige, das über das peruanische Haarbündel, das im Humboldt Forum ausgestellt ist, gefunden werden kann, wiederherzustellen und konstruiert ein digitales Objekt, das sich in seiner Enträtselung der Lücken und Fehlinterpretationen bewusst ist, die für ethnologische Museumssammlungen typisch sind. Die Sequenz beginnt mit einer mimetischen Zeichnung dieses menschlichen Überrests, wie er ausgestellt ist. Sie enthält die teilweise falschen Informationen, die gegeben werden. Je mehr Daten gesammelt werden, desto mehr offenbart sich das Haar.  Aber die Informationen sind unzuverlässig und fast nicht vorhanden. So rücken die Lücken in den Vordergrund; es sind die Auslassungen selbst, die auf eine Geschichte der gewaltsamen Extraktion hinweisen. Die Verwendung digitaler Mittel des parametrischen Designs, um den Formfindungsprozess des sich entfaltenden Haares zu leiten, hebt diese Lücken und Auslassungen hervor.
Jelisa Weber ist in München geboren und aufgewachsen, direkt neben dem Steinmetzbetrieb der Familie. Ihre Nähe zu Material und Handwerk führte sie zu Textilien und deren Techniken. Während ihres Studiums der Textil- und Oberflächengestaltung an der weißensee kunsthochschule berlin entdeckte sie ihre Faszination für Systeme, deren Regeln und Logiken. Seitdem liegt ihr Hauptaugenmerk darauf, sich mittels Programmierung mit den Logiken von Verhaltensweisen auseinanderzusetzen.

  1. 1

    Césaire, Suzanne. „Discontent of a Civilization“, trans. Penelope Rosemont, in Surrealist Women: An International Anthology, ed. Penelope Rosemont, Austin: University of Texas Press, 1998, S. 129–133.
  2. 2

    Mythos der Revolution, Karl Liebknecht, das Berliner Schloss und der 9. November 1918, Dominik Juhnke, Judith Prokasky und Martin Sabrow, S. 88.
  3. 3

    nd-aktuell, Verhöhnung statt Versöhnung, Sevim Dağdelen, https://www.nd-aktuell.de/artikel/1161654.postkolonialismus-verhoehnung-statt-versoehnung.html, aufgerufen am 24.02.2023. Foto: U.S. National Archives and Records Administration, https://catalog.archives.gov/id/31477904, aufgerufen am 24.02.2023.

Datum

24.07.2023

Ort

Leerstellen, Ausstellen, 2. OG im Humboldt Forum, Berlin

Laufzeit

11.3.–24.7.23

Fachgebiete

Theorie und Geschichte und Textil- und Flächendesign

Format

Ausstellung und Lehrprojekt

Leitung

Juana Awad und Elaine Bonavia

Studierende

Imad Alfil, Jelisa Weber, Inyeong Song, Raras Umaratih, Aline Suter, Bar Esh, Hami Mehr, Mohamad Halbouni, Melis Kiran, Quang Vinh Giang, Jasmin Sermonet, Paulin Fichtner

Mitwirkende

Humboldt Forum, Ethnologisches Museum

Zugehörige Artikel

  • Colonial Presents
  • Speaker Series: Colonial Presents
  • Verfolgung der Textilität
  • Kunstpräsentation als politische Arena
  • Text

    Juana Awad, Elaine Bonavia